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Aus einer Silikonfuge wurden 200.000 Euro – wie das passiert

Ein Bauunternehmer in dritter Generation erzählt, was hinter Fliesen zum Vorschein kommt, warum eine Stützmauer so viel kosten kann wie das Haus davor — und was Asbest im Kleber für den Verkaufspreis bedeutet.

Veröffentlicht am 06.05.2026 Von Sascha Oertel
ulfundsascha
Episode 4 06.05.2026 47 Min.
Ulf Schuchhardt führt einen Wuppertaler Familienbetrieb in dritter Generation und saniert heute Häuser, die sein Großvater gebaut hat. Im Gespräch geht es um die Schäden, die erst beim Aufmachen sichtbar werden, um Abdichtung von innen und außen, um Asbest im Fliesenkleber — und um die Frage, was passiert, wenn die Koordination auf einer Baustelle zusammenbricht.

Ulf Schuchhardt

Maurer- und Betonbaumeister, Baugeschäft Ulf Schuchhardt GmbH & Co. KG

Website

Ulf Schuchhardt ist Maurer- und Betonbaumeister und führt seit zwölf Jahren den Familienbetrieb Schuchart Bau in Wuppertal — in dritter Generation und seit über siebzig Jahren am Markt. Aus der früheren Baufirma, die ganze Wohnparks errichtete, ist über die Jahre ein Spezialbetrieb für Bestandssanierung geworden: Abdichtung, Mauerwerkssanierung und die Umgestaltung alter Grundrisse an heutige Wohnbedürfnisse. Nicht selten saniert er dabei Gebäude, die sein Großvater gebaut hat.

Kapitel

00:00

Drei Generationen Schuchhardt Bau

00:47

Vom Neubau zur Bestandssanierung

02:24

Warum heute anders gewohnt wird

Mehrraumkonzepte

04:00

Aus einer Silikonfuge werden 200.000 Euro

Der Fachwerk-Fall

05:49

Wenn das Tragwerk betroffen ist

Statik im Altbau

07:49

Die Hinweispflicht des Handwerkers

08:25

Arglistige Täuschung beim Verkauf

Praxiseinschätzung, keine Rechtsberatung

08:55

Was ein trockener Keller wirklich bedeutet

10:16

Wenn das Angebot nicht mehr stimmt

12:44

Der Nachbar, der nicht mitmacht

Abdichtung in Hanglage

15:12

Innenabdichtung als Alternative

Auflagen für die Nutzung

16:25

Kommunikation mit dem Bauherrn

18:07

Wenn der Kunde den Schlüssel übergibt

Vertrauen als Grundlage

21:05

Was am Abbruch fasziniert

23:34

Wenn eine Baustelle schiefgeht

Ein aktueller Fall

27:13

Schnittstellen zwischen den Gewerken

Das KO-Gespräch

33:57

Warum Kunden nicht Bauleiter sein sollten

39:34

Schadstoffe im Bestand

40:33

Asbest im Fliesenkleber

Was das für den Verkauf bedeutet

43:57

Die Stützmauer, die so viel kostet wie das Haus

Das Wichtigste aus der Folge

Sieben Punkte für Eigentümer und Käufer

Wenn Sie keine Zeit für die ganze Folge haben — das sind die Aussagen, auf die es ankommt.

Aus einem Auftrag über 1.200 bis 3.000 Euro für neue Silikonfugen wurde eine Sanierung über 200.000 Euro — weil hinter den Fliesen das Fachwerk durchgemodert war. Sichtbarer Schaden und tatsächlicher Schaden haben im Altbau wenig miteinander zu tun.

07:21 · Ulf Schuchhardt, Maurer- und Betonbaumeister

Handwerker haben eine Hinweispflicht. Wer einen entdeckten Schaden einfach wieder zumacht, verschiebt ihn in die nächste Generation — und schafft für den späteren Verkauf ein Problem.

07:58 · Ulf Schuchhardt, Maurer- und Betonbaumeister

„Der ganze Keller soll trocken sein" ist ein größerer Auftrag, als die meisten annehmen: Ringsum abdichten schließt nach heutigen Normen die Bodenplatte mit ein. Entscheidend ist vorab die Frage, welche Nutzung der Raum haben soll.

09:08 · Ulf Schuchhardt, Maurer- und Betonbaumeister

Eine Abdichtung von außen ist besser als von innen. Ist der Zugang versperrt — etwa weil der Nachbar die Schachtung nicht zulässt — geht es auch von innen, aber mit dauerhaften Auflagen für die Nutzung der Wände.

15:39 · Ulf Schuchhardt, Maurer- und Betonbaumeister

Asbesthaltiger Kleber unter Bodenbelägen aus den siebziger Jahren darf nicht überdeckt werden. Die Entfernung durch Fachbetriebe liegt schnell im fünfstelligen Bereich — bei belasteten Putzen deutlich darüber.

40:45 · Ulf Schuchhardt, Maurer- und Betonbaumeister

Schadhafte Stützmauern in Hanglage sind im Bergischen Land verbreitet und werden bei Besichtigungen übersehen. Im geschilderten Fall hätte die Instandsetzung nahezu so viel gekostet wie die Immobilie selbst.

44:39 · Ulf Schuchhardt, Maurer- und Betonbaumeister

Wer eine Terrasse höherlegt, ohne die Abdichtungsebene mitzuziehen, holt sich Feuchtigkeit ins Haus. Die nachträgliche Korrektur kostet oft mehr als die halbe Terrasse.

46:43 · Ulf Schuchhardt, Maurer- und Betonbaumeister

Einordnung

Zur Einordnung dieses Gesprächs

Die genannten Beträge sind Erfahrungswerte aus konkreten Projekten und lassen sich nicht auf andere Objekte übertragen. Was eine Sanierung kostet, hängt von Bausubstanz, Zugänglichkeit und Zielnutzung ab — belastbar wird das erst nach einer Untersuchung vor Ort.

Im Gespräch geht es an einer Stelle um arglistiges Verschweigen bekannter Mängel beim Verkauf. Das ist eine Einschätzung aus der Praxis, keine Rechtsauskunft: Ob im Einzelfall Arglist vorliegt und welche Folgen das hat, beurteilt eine Anwältin oder ein Anwalt anhand der konkreten Umstände. Wer weiß, dass an seiner Immobilie etwas nicht stimmt, sollte das offenlegen und sich im Zweifel beraten lassen — nicht darauf setzen, dass es nicht auffällt.

Zu Schadstoffen wie Asbest gilt: Untersuchung, Ausbau und Entsorgung gehören in die Hand zugelassener Fachbetriebe. Eigenleistung ist hier keine Sparmöglichkeit, sondern ein Gesundheitsrisiko.

Aus der Praxis

Was ich bei Besichtigungen zuerst anschaue

Käufer gehen bei einer Besichtigung fast immer zuerst ins Bad und in die Küche. Verständlich — das sind die Räume, die man sich vorstellen kann. Was selten jemand anschaut, ist der Übergang von der Terrasse zur Hauswand, der Sockelbereich, die Stützmauer hinten im Garten.

Genau dort liegen im Bergischen Land die teuren Überraschungen. Wir haben hier Hanglage, wir haben alte Natursteinmauern, und wir haben eine Menge Terrassen, die irgendwann jemand ebenerdig gemacht hat. Ein neues Bad kostet Geld, aber man kann es planen. Eine schadhafte Stützmauer kann die ganze Kalkulation kippen.

Deshalb hole ich bei Zweifeln jemanden wie Ulf Schuchhardt dazu, bevor jemand kauft — nicht danach. Beurteilen kann ich das selbst nicht, das ist nicht mein Fach. Aber ich weiß inzwischen ziemlich gut, wann man hinschauen lassen sollte.

Ihre Immobilie

Sanierungsstau und keine Vorstellung von den Kosten?

Wenn Sie verkaufen wollen und nicht wissen, was ein Gutachter oder Käufer finden wird: Ich sage Ihnen, was im Bergischen Land aktuell erzielbar ist — und hole für die bauliche Beurteilung Fachleute dazu.

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Wörtliche Fassung

Redigierte Fassung des Gesprächs: gekürzt, sprachlich geglättet und in Abschnitte gegliedert. 

Transkript anzeigen

Drei Generationen Schuchhardt Bau

Sascha Oertel 00:00

Heute im Podcast Problem Immobilien: Ulf Schuchhardt von Schuchhardt Bau. Ulf, sag kurz, wer du bist und was du machst.

Gast 00:18

Mein Name ist Ulf Schuchhardt, ich bin Maurer- und Betonbaumeister und mache das schon eine ganze Weile. Wir sind ein Familienbetrieb, den es seit über siebzig Jahren gibt, und ich bin seit zwölf Jahren selbstständig als Geschäftsführer.

Vom Neubau zur Bestandssanierung

Gast 00:51

Ich muss etwas ausholen. Früher hatten wir eine große Baufirma, die einzelne Häuser und ganze Wohnparks gebaut hat. Davon hat sich mein Großvater mehr oder weniger gelöst, dann ging es mit Reparaturarbeiten weiter. Mein Vater hat das fortgeführt, dann kamen die ersten Abdichtungsarbeiten dazu — er war stark in Wohnungs- und Haussanierung. Da sind wir heute noch.

Wir haben uns weiter spezialisiert und Partnerfirmen dazugeholt. Heute haben wir unser Mehrraumkonzept, bei dem wir Räume zusammenlegen, weil sich die Bedürfnisse ändern.

Gast 01:52

Ich sage im Spaß immer: Ich saniere die Häuser meines Großvaters. Und so ist es auch. Wir sind in Wuppertal, hier gibt es Häuser, die er gebaut hat und in denen wir schon gearbeitet haben.

Wir hatten kürzlich eine Mauersanierung: Die Grundmauer hat mein Großvater ursprünglich gebaut, mein Vater hat sie vor über zwanzig Jahren schon einmal repariert, und wir haben jetzt wieder daran gearbeitet.

Warum heute anders gewohnt wird

Sascha Oertel 02:20

Heute wird anders gewohnt als früher. Ihr passt den Bestand an die heutige Wohnsituation an?

Gast 02:44

Klar. Früher waren Bad und Küche derselbe Raum — ich kenne Wohnungen, in denen die Badewanne tatsächlich in der Küche steht, wir haben solche schon saniert. Viele kleine Räume, weil die Familien viele Kinder hatten, viele Köpfe in einem Haushalt.

Der Keller musste nass und kühl sein, das war der Kühlschrank — oder das Kohlenlager, da war Schmutz egal. Heute sind die Anforderungen völlig andere: Es soll offen sein, die Küche geöffnet, wer kocht möchte bei der Familie dabei sein. Ein großer Wohnbereich, große Fenster. Und der Keller soll ausgebaut werden — als Hobbyraum, oder weil das Haus zu klein geworden ist und die Eltern nach unten ziehen und dort ein Schlafzimmer einrichten.

Das sind ganz andere Anforderungen als vor fünfzig, sechzig, siebzig Jahren.

Aus einer Silikonfuge werden 200.000 Euro

Sascha Oertel 04:00

Was war das Krasseste, was du beim Sanieren erlebt hast?

Gast 04:29

Wir wurden zu einer Kundin in ein sehr altes Fachwerkhaus gerufen. Sie wollte die Silikonfugen im Badezimmer ausgetauscht haben — die Bäder lagen dort übereinander. Also hingefahren, Fuge wegschneiden, neu machen.

Dabei fiel sofort auf, dass die ersten Fliesen locker waren. Also ein paar Fliesen aufmachen, nichts Weltbewegendes. Wir mussten dann etwas mehr wegnehmen als gedacht — immer noch normal.

Dahinter stellten wir fest, dass es keine normgerechte Abdichtung gab. Bei ganz alten Häusern ist das nicht ungewöhnlich. Das größere Problem: Durch die undichte Silikonfuge war das Holz, das Fachwerk, dahinter bereits richtig modrig. Also haben wir weiter aufgemacht — und es war sehr viel Moder im Holz.

Wenn das Tragwerk betroffen ist

Sascha Oertel 05:47

Also schon statische Probleme?

Gast 05:49

Klar, das Holzwerk ist ja das Tragwerk — da geht es unmittelbar in die Statik.

Ich hatte mal im Briller Viertel einen Umbau, da wollte der Kunde eine zusätzliche Öffnung. Der Statiker kam herein und sagte direkt: Herr Schuchhardt, ich kann Ihnen zu diesem Haus gar nichts rechnen. Wenn ich hier anfange zu rechnen, dürfte das Gebäude eigentlich zusammenfallen. Alte Gebäude halten den heutigen statischen Anforderungen oft nicht stand — erst recht nicht, wenn noch ein Wasserbett dazukommt, eine Schneelast neu berechnet wird und ein Balkon dran soll.

Bei dem Fachwerkhaus war die Statik also bedenklich, und beim Holz mussten wir zusätzlich über Hausschwamm sprechen. Was wir da gefunden haben, war nicht mehr lustig.

Gast 06:48

Wir haben die Kunden darauf aufmerksam gemacht und einen Sachverständigen dazugeholt — das wollten wir nicht allein entscheiden.

Im Ergebnis musste der gesamte Anbaubereich abgerissen und neu aufgebaut werden. Der Dachdecker musste die Schieferarbeiten machen, wir haben gemauert, und die zwei bis drei Badezimmer mussten komplett erneuert werden. Das waren über 200.000 Euro. Die Silikonfuge hätte vielleicht 1.200 bis 3.000 Euro gekostet.

Die Hinweispflicht des Handwerkers

Sascha Oertel 07:39

Man hätte es als Handwerker auch einfach wieder zumachen können.

Gast 07:49

Die Fliesen wären wieder gerissen, weil kein tragfähiger Untergrund da ist — man verlegt das Problem nur in die nächste Generation. Und als Handwerker hat man eine Hinweispflicht. Man muss sagen: Ich kann mir vorstellen, dass hier etwas ist.

Für den Kunden ist es ohnehin besser. Was ist, wenn er das Haus später verkauft und es kommt heraus — ist das dann ein versteckter Mangel? Da möchte ich nicht dazwischenstehen. Für den Verkäufer kann daran viel hängen.

Arglistige Täuschung beim Verkauf

Sascha Oertel 08:25

Da gehe ich direkt drauf ein. Im Notarvertrag steht üblicherweise „gekauft wie gesehen" — der Gewährleistungsausschluss. Wenn aber im Vorfeld bekannt war, dass ein Handwerker etwas festgestellt und einfach wieder zugemacht hat, dann ist das eine andere Sache. Nach meiner Erfahrung kann ein Kauf in solchen Fällen rückabgewickelt werden, und das will niemand.

Was ein trockener Keller wirklich bedeutet

Gast 08:55

Es geht darum, den Kunden vernünftig zu beraten. Ich hatte kürzlich jemanden, der sagte: Ich komme aus dem Neubau, habe jetzt ein Einfamilienhaus gekauft, der ganze Keller soll trocken sein.

Die wissen oft nicht, welche Dimension das hat — einen alten Keller ringsum abzudichten, im schlimmsten Fall einschließlich Bodenplatte, die nach heutigen Normen ebenfalls dazugehört. Und dann ist die Frage: Was soll aus dem Raum werden? Ein normaler Kellerraum, ein Raum mit höherer Nutzung oder wirklich Wohnraum? Darüber muss man sprechen.

Wenn es wirklich dicht sein soll, muss man die dicken Geschütze auffahren, und dann sind die Kosten erheblich. Genau da ist unsere Pflicht als Handwerker: Was möchten Sie eigentlich? Es gibt verschiedene Wege und meistens auch einen Kompromiss.

Wenn das Angebot nicht mehr stimmt

Sascha Oertel 10:16

Wie geht ein Kunde damit um, wenn das Angebot bei 10.000 Euro lag und sich vor Ort herausstellt, dass es nicht reicht?

Gast 10:54

Wir versuchen vieles vorher einzupreisen, aber alles geht nicht — man hat keinen Röntgenblick. Das ist wie beim Arzt: Manche Operationen muss man erst beginnen, dann sieht man weiter. Ein Arzt macht auch kein Angebot über vier Stunden und hört dann auf.

Deshalb suchen wir immer die Kommunikation zum Kunden, das ist uns extrem wichtig. Man setzt sich zusammen und sagt: Wir haben diese Optionen, welche möchten Sie? Ich gebe meine fachliche Einschätzung dazu und berate so, als wäre es mein eigenes Objekt.

Und ich frage nach dem Ziel: Wollen Sie selbst darin wohnen? Ist es Kapitalanlage? Soll es an die Kinder gehen? Oder steht das Gebäude nur noch drei Jahre, weil danach abgerissen wird? Das sind völlig verschiedene Ausgangslagen.

Gast 12:13

Es geht übrigens in beide Richtungen. Wir haben auch schon aus einer 60.000-Euro-Baustelle eine 4.000-Euro-Baustelle gemacht, weil sich im Gespräch herausstellte, dass eine Innendämmung ausreicht, wo ein anderer Betrieb außen alles aufgraben wollte. Diese Baustelle ist inzwischen acht, neun Jahre alt und funktioniert.

Der Nachbar, der nicht mitmacht

Gast 12:44

Umgekehrt: Wir hatten eine Baustelle, an der wir fast zwei Jahre waren — ein zweigeschossiger Anbau, komplett entkernt und saniert.

Eine Außenwand lag im unteren Bereich in der Erde. Ich hatte vorher darauf hingewiesen, dass ich dort keine normgerechte Abdichtung erkennen kann. Die Antwort war: Kein Thema, das wurde vor ein paar Jahren von einem Fachunternehmen gemacht. Also bin ich davon ausgegangen.

Innen waren die Wände mit Trockenbau verkleidet. Nach dem Abbruch kam heraus, dass die Trockenbauplatten bereits angeschimmelt waren — es war also doch nicht ordentlich abgedichtet. Aus einer überschaubaren Sanierung wurde eine, bei der der ganze untere Bereich abgerissen werden musste.

Gast 13:46

Das eigentliche Problem war die Hanglage: Die eine Seite lag in der Erde, und genau die grenzte direkt ans Nachbargrundstück. Der Kunde war bereit, ordentlich auszuschachten und von außen zu isolieren — aber der Nachbar hat es nicht zugelassen.

Dann ging die Diskussion los: Wie lange dauert die Baustelle, dürfen wir überhaupt hin, dürfen wir ran? Es gibt zwar das Hammerschlags- und Leiterrecht, aber die Kunden wollten sich nicht streiten. Der Nachbar hatte einen Teich, den man nicht anrühren durfte, und jede Pflanze einzeln. Wir haben mit dem Garten- und Landschaftsbauer kommuniziert, wie man Pflanzen und Fische retten könnte. Ein Riesenaufwand.

Am Ende kam immer wieder: Ja, ihr dürft — nein, doch nicht. In der Vergangenheit war zwischen den Nachbarn offenbar schon einiges vorgefallen; bei der damaligen Abdichtung war wohl nicht sauber abgestimmt worden. Das kann ich sogar nachvollziehen: Wenn jemand ohne Absprache auf meinem Grundstück arbeitet, wäre mir auch komisch zumute.

Ergebnis: eine Bauunterbrechung von bestimmt drei, vier Monaten. Dann haben wir von innen abgedichtet.

Innenabdichtung als Alternative

Sascha Oertel 15:12

Wie habt ihr von innen abgedichtet?

Gast 15:14

Wie es Außenabdichtungssysteme gibt, gibt es auch Innenabdichtungssysteme. Es gibt Verkieselungsverfahren, es gibt Methoden, bei denen gebohrt und von hinten verpresst wird — davon halte ich weniger. Wir haben ein System von Remmers verarbeitet, dafür sind wir zertifiziert. Damit konnten wir weitermachen.

Schade war nur die Bauunterbrechung. Eine Abdichtung von außen ist besser als von innen, aber innen geht auch — allerdings mit Auflagen. Es kommt eine Innendämmung dazu, und dann darf man keine großen Bilder anbringen oder Schränke bündig davorstellen.

Bei diesem Vermietungsobjekt haben wir hinterher einen kleinen Leitfaden mitgegeben: Welche Materialien wurden verwendet, was darf davorgestellt werden und was nicht. Und wir weisen darauf hin, dass mit speziellen Materialien gestrichen werden muss — man soll uns Bescheid sagen, bevor neu gestrichen wird. Nicht dass jemand mit normaler Dispersionsfarbe über eine aufwendig sanierte Wand geht.

Kommunikation mit dem Bauherrn

Sascha Oertel 16:25

Manche Kunden wollen jede Information, andere sagen: Sagt mir nur, wann es fertig ist. Wie handhabt ihr das?

Gast 17:24

Über Vertrauen. Ganz am Anfang der Zusammenarbeit sprechen wir das ab. Wir können einen gemeinsamen Chat aufmachen, in dem Bilder geteilt werden — das funktioniert auch gut, wenn mehrere Gewerke beteiligt sind. Bei Kleinigkeiten geht das mit Fotos und Videos heute sehr schnell.

Wir suchen die offene Kommunikation darüber, wie eng jemand eingebunden werden möchte. Dafür sind die Vorgespräche da.

Wenn der Kunde den Schlüssel übergibt

Gast 18:07

Bei einem Badezimmer arbeiten wir heute mit 3D-Visualisierung. Wenn das sauber visualisiert ist und der Kunde in den Urlaub fährt, schicken wir zwischendurch Fotos — das ist völlig in Ordnung.

Anders ist es bei Kapitalanlagen. Wir haben Kunden, denen ihre Immobilien nicht egal sind, die mich aber als einen Ansprechpartner haben wollen, weil ich alles andere abnehme. Da heißt es: Herr Schuchhardt, in der und der Straße ist eine Wohnung frei geworden, schauen Sie sich das an. Manche wollen danach gar nichts mehr besprechen, weil das Vertrauen da ist. Ich rufe trotzdem an und sage, was ich empfehle — mal reicht Streichen und neuer Bodenbelag, mal sollten zwei, drei Steckdosen dazu.

Dass ein Neukunde beim ersten Mal einfach den Schlüssel übergibt, kommt selten vor. Das wächst über Jahre. Ich habe Stammkunden, zu denen bin ich schon als Kind mitgefahren.

Was am Abbruch fasziniert

Sascha Oertel 21:05

Was fasziniert dich an dieser Arbeit am meisten?

Gast 21:19

Mich hat als Kind schon interessiert, warum etwas so ist. Deshalb verstehe ich viele nicht, die am Bau anfangen und sagen: Immer muss ich den Abbruch machen. Abbruch ist nichts Schönes — aber man lernt dabei unfassbar viel.

Ich nehme die Tapete ab und sehe plötzlich viele Risse im Putz. Warum ist das so? Ich nehme den Putz herunter und sehe: Da war ein Kalksandstein, der wurde nicht vorgespritzt. Oder ein Ziegel war verschmutzt. Oder es sind Wurzeln eingewachsen. Man muss sich einfach für das Thema interessieren, dann macht alles Spaß.

Früher hat mir die Frage Freude gemacht, warum etwas kaputtgegangen ist und welchen Fehler ein anderer gemacht hat — den mache ich dann besser.

Gast 22:16

Das größte Lob kam mal von einem Ehepaar. Wir hatten deren Haus umgebaut, und später saßen sie mit Freunden zusammen. Da hieß es: Wir haben uns während unseres Umbaus ständig gestritten. Und das Ehepaar sagte: Bei uns mit Schuchhardt lief alles glatt.

Dabei läuft nie alles glatt. Es ist immer etwas — aber bei uns läuft das hinter dem Vorhang. Da geht es auch mal richtig zur Sache. Ich finde es schön, wenn der Kunde das nicht mitbekommt.

Am Ende soll er sagen können: Das war vielleicht teuer, aber ich weiß, dass ich in Qualität investiert habe, und mit dieser Baustelle habe ich nichts mehr zu tun. Und wenn es nur eine Reparatur war, bei der ich nicht sagen kann, wie lange sie hält, dann weiß der Kunde das auch — bei uns immer schriftlich.

Wenn eine Baustelle schiefgeht

Sascha Oertel 23:34

Und der umgekehrte Fall — welche Baustelle lief richtig schlecht, und was hast du daraus gelernt?

Gast 23:58

Das ist ganz aktuell. Wir bauen gerade für einen Kunden eine große Halle zu Wohnraum um. Diesmal nicht mit unseren gewohnten Partnerfirmen, weil der Kunde eigene Firmen hatte — was völlig in Ordnung ist, damit habe ich nie ein Problem. Man kann voneinander lernen, vielleicht lerne ich dabei einen großartigen Elektriker kennen.

In diesem Fall haben wir aber nicht auf unsere eigenen Prozesse geachtet — auf die Kommunikationswege. Daran bin ich selbst maßgeblich schuld. Ich wollte es dem Kunden immer recht machen, und das war nicht gut. Die Kommunikation ist nach hinten losgegangen, sodass wir uns gestern mit dem Kunden zusammensetzen mussten.

Gast 25:59

Wir haben uns zusammengesetzt, und es gab ordentlich Gewitter — was völlig in Ordnung ist. Mir ist eine offene Aussprache lieber, als dass jemand aus dem Gespräch geht und zu Hause sagt, er sei enttäuscht. Ich mache nichts absichtlich falsch.

Die Konsequenz: Wir müssen mehr Zähne zeigen. Wir kennen unsere Mitarbeiter und unsere Partnerfirmen, da funktioniert es. Aber wenn wir mit fremden Firmen zusammenarbeiten, müssen wir die Prozesse anpassen.

Schnittstellen zwischen den Gewerken

Sascha Oertel 27:13

Das Problem waren also die Absprachen zwischen den Gewerken?

Gast 27:26

Wir sind für bestimmte Schritte im Bauprozess verantwortlich, aber Sanitär, Elektrik, Dachdecker oder Fensterbau machen wir nicht. Da muss viel koordiniert werden — gerade bei einem Badezimmer: Wo kommt die Toilette hin, wie dick muss eine Wand werden, weil ein Rohr durchgeht?

Wir machen das grundsätzlich so — beziehungsweise ab jetzt nur noch so: Man trifft sich zu einem Kommunikationsgespräch, bei dem alle Gewerke gemeinsam mit dem Bauherrn vor Ort sind und alles absprechen. Das kann auch zweimal stattfinden: einmal, wenn alle für ihre Angebote vorbeikommen, und einmal, wenn der Auftrag steht und feststeht, wer zusammenarbeitet.

Denn am Anfang heißt es oft „alle Wände raus", und dann stellt sich heraus, dass dafür dicke Stahlträger nötig wären. Dann wird ein Raum kleiner und das Bad größer. Solche Punkte müssen zwischen Sanitär, Elektrik, Fliesenleger und Verputzer abgestimmt werden.

Gast 28:39

Das Gewitter kam, weil wir wie immer gesagt hatten: Wenn Sie es mit uns machen, haben Sie mit der Baustelle wenig zu tun, wir übernehmen die Koordination. Und das konnten wir nicht einhalten, weil nicht alle auf der Baustelle waren.

Wir haben gegen unsere eigenen Prozesse gearbeitet — und sind damit ordentlich auf die Nase gefallen. Für mich ist das auch ein Vertrauensthema, und das ist mir wichtig. Wir sind nicht die Handwerker, die nicht mehr kommen; wir machen eine Baustelle zu Ende.

Sascha Oertel 29:37

Du hast gesagt, bei euch kommt alles aus einer Hand. Aber du konntest nicht koordinieren — warum nicht?

Gast 29:43

Weil die anderen Firmen nicht so mitkoordiniert haben, wie ich es wollte — und ich habe es zugelassen. Ich schlage ein Kommunikationsgespräch für einen Termin vor, dann kann der eine nicht. Wir fahren trotzdem hin, aber genau der Wichtige für ein, zwei Punkte ist nicht dabei und macht einen eigenen Termin. Dann kann der Nächste nicht. Das Problem war, dass nie alle gemeinsam auf der Baustelle über alles gesprochen haben.

Gast 30:19

Woran das lag, weiß ich nicht, und da möchte ich auch nicht spekulieren. Vielleicht fühlt sich ein neuer Handwerker in einem bestehenden Netzwerk angegriffen.

Uns ist nie wichtig, mit wem wir arbeiten, sondern dass der Kunde einen Mehrwert bekommt. Wenn der Schwiegervater die Installation macht, ist mir das recht — er muss es nur in einer vernünftigen Zeit schaffen und rechtzeitig Bescheid sagen, wenn nicht. Es ist blöd, wenn man Schlitze zuputzen will und die Leitung liegt noch nicht drin.

Warum Kunden nicht Bauleiter sein sollten

Gast 31:31

Genau das ist das Grundproblem, weshalb ich es so umgestellt habe. Früher habe ich das ständig erlebt: Sanitär, Elektrik, Maler, Maurer, Fliesenleger, Bodenleger, Fensterbauer — zehn Gewerke für eine Wohnung.

Ein Klassiker: Sanitär ist fertig und will Toilette und Waschbecken montieren. Es müssten nur noch zwei Quadratmeter Decke gestrichen werden. Der Maler kommt aber erst, wenn alles fertig ist, weil er einen Quadratmeterpreis kalkuliert und die ganze Wohnung in einem Durchgang streichen will. Verstehe ich — aber für den Kunden ist es unbefriedigend.

Es ist doch nicht die Aufgabe des Kunden, seine Zeit, sein Geld und seine Kraft da hineinzustecken. Dafür beauftragt er Handwerker. Der Kunde muss doch keine Maurer- und Fliesenlegerausbildung machen, um zu kontrollieren, ob jemand richtig gearbeitet hat.

Sascha Oertel 33:57

Diese Schnittstellen zwischen den Gewerken sind der Klassiker. Wenn etwas schiefläuft, schiebt einer dem anderen die Schuld zu — und das wird auf dem Rücken des Kunden ausgetragen.

Gast 34:25

Wir hatten letztes Jahr einen Fall, in dem ein Fenster falsch eingesetzt wurde, und einer meiner Mitarbeiter hatte gesagt, man könne es so setzen. Dann habe ich gesagt: Gut, diese Montage geht auf unsere Kosten. Man kann nicht alles auf den Kunden abwälzen — wenn wir etwas nicht gut machen, müssen wir dafür einstehen.

Es muss aber fair für alle sein. Wenn vorher etwas anderes abgesprochen war oder mir jemand bewusst schadet, muss man auch darüber sprechen.

Viele Kunden denken an Umbau-Fernsehsendungen, in denen eine Wohnung in sieben Tagen fertig ist. Wenn die Materialien nicht trocken sind, kann man nicht darüberarbeiten. Ich sage das dem Kunden fünfmal, und manchmal sage ich auch: Nein, ich arbeite da jetzt nicht drüber. Wenn jemand mir die Pistole auf die Brust setzt, macht man es irgendwann — aber der Hinweis ist raus. Dann kann man hinterher nicht sagen, die Tapeten hätten sich gelöst.

Wer selbst saniert, weiß oft gar nicht, wann etwas trocken ist. Ich kenne ganz wenige, die eine Feuchtemessung machen.

Schadstoffe im Bestand

Sascha Oertel 39:34

Was sind Themen, die euch durch die Gesetzeslage heute häufiger begegnen?

Gast 40:00

Da gibt es viele Beispiele — von Dämmung bis zu schadstoffbelasteten Objekten.

Nicht jeder Kleber und nicht jeder Zusatzstoff ist gesundheitlich unbedenklich. Deshalb gibt es Gehörschutz, Atemschutz und so weiter. Ein großes Thema ist derzeit Asbest.

Diese alten Platten und Kleber sieht man am Anfang nicht. Und wenn plötzlich ein fünfstelliger Betrag dazukommt, weil Spezialfirmen absaugen, in speziellen Säcken verpacken und entsorgen müssen, dreht sich das immer weiter nach oben. Bei einer Wohnung sind das schnell zehntausend Euro — und wenn zusätzlich die Putze belastet sind, können es mehrere zehntausend werden, mit denen niemand gerechnet hat.

Asbest im Fliesenkleber

Sascha Oertel 41:24

Wir hatten eine Wohnung im Verkauf mit genau diesem Problem, wo ich dich dazugeholt habe. Es ging um asbesthaltigen Kleber unter Vinylplatten aus den siebziger Jahren. Überdecken war laut Fachbetrieb nicht zulässig, also musste es heraus — gefräst. Für eine Wohnung dieser Größe stand ein Betrag im Bereich von zehntausend Euro im Raum.

Beim Verkauf muss so etwas natürlich vom Preis abgehen. Und man muss darauf hinweisen — das ist die Pflicht des Verkäufers.

Gast 42:49

Schlimm ist vor allem, wenn es unwissentlich passiert. Wer selbst zu Hause saniert, atmet womöglich Dinge ein, die gesundheitlich problematisch sind.

Früher hat man darauf nicht geachtet, da wurde einfach herausgerissen. Heute achtet man mehr darauf, und ich finde das richtig: Absaugvorrichtungen, spezielle Staubsauger, Schutzmasken, Einmalanzüge — nicht nur bei Asbestsanierung. Man schützt sich ganz anders.

Die Stützmauer, die so viel kostet wie das Haus

Gast 43:57

Ein Beispiel, das ich nie vergessen werde: Ich war vor Jahren mit meinem Vater bei einem Interessenten, der ein Haus unten an der Wupper kaufen wollte. Das Haus war in Ordnung.

Dann gingen wir in den Garten, und mein Vater sah eine Natursteinmauer — eine Stützmauer, die das ganze Gelände abfing, sechs, sieben Meter hoch. Er sah sofort, dass dort ein Problem war. Wir haben sie uns genauer angesehen: Sie war richtig kaputt.

Die Mauer instand zu setzen hätte fast so viel gekostet wie die Immobilie selbst. Er hat nicht gekauft.

Solche Stützmauern hat man in Wuppertal ständig — Hanglage, dahinter ein Garten. Und viele dieser alten Mauern sind schadhaft.

Die höhergelegte Terrasse

Weitere 45:34

Ein echter Klassiker: Terrassen, die höhergelegt wurden, damit man ebenerdig hinausgehen kann — ohne dass die Abdichtungsebene mitgezogen wurde.

Vorher waren da drei Stufen, die sind weg, und plötzlich ist Feuchtigkeit im Wohnzimmer oder in der Küche. Die Leute verstehen nicht, woher das kommt. Man sieht nach zwei Minuten, dass es keinen Sockelbereich gibt, sondern die Platten bis in den Putzbereich reichen — und dafür ist Putz nicht ausgelegt.

Wann wurde die Terrasse erhöht? Vor drei Jahren. Wurde an die Abdichtung gedacht? Nein, das hat uns niemand gesagt.

Dann muss die Terrasse wieder aufgenommen und die Abdichtungsebene hochgezogen werden. Zu den 15.000 Euro für die Terrasse kommen dann noch einmal acht, neun Tausend für die Abdichtung.

Sascha Oertel 46:57

Ulf, danke, dass du da warst — das war spannend und für den einen oder anderen Hörer sicher hilfreich. Ich freue mich auf die nächste Folge mit dir.