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Wärmepumpe im Altbau – was wirklich geht

Eine Ingenieurin erklärt, warum eine Wärmepumpe dreimal effizienter arbeitet als eine Gasheizung, welche Heizkörper das mitmachen und in welchem einen Fall sie tatsächlich abgeraten hat.

Veröffentlicht am 22.04.2026 Von Sascha Oertel
susanneundsascha
Episode 2 22.04.2026 25 Min.
Dr. Susanne Hendel ist beratende Ingenieurin und begleitet energetische Sanierungen vom Einfamilienhaus bis zur Kirchengemeinde. Im Gespräch geht es um Wirkungsgrade, Vorlauftemperaturen und Heizlastberechnung — und um die Frage, welche Heizkörper im Bestand eine Wärmepumpe mitmachen. Aufgenommen im April 2026.

Dr. Susanne Hendel

Beratende Ingenieurin, Energieberatung, Ingenieurbüro Hendel

Website

Dr. Susanne Hendel ist beratende Ingenieurin mit Schwerpunkt Bauphysik und energetische Sanierung. Sie begleitet Eigentümer, Wohnungseigentümergemeinschaften und institutionelle Bauherren bei Heizungsumstellungen und Sanierungsfahrplänen — von der Einzelwohnung bis zum Verbund aus Kirche, Gemeindehaus und Kindergarten. An der Bergischen Universität Wuppertal hat sie unter anderem das erste Wärmepumpen-Pilotprojekt in einem Gründerzeithaus wissenschaftlich mitbegleitet.

Kapitel

00:00

Begrüßung und Thema

00:28

Funktioniert eine Wärmepumpe im Alltag?

01:05

Erfunden 1855

Die Technologie ist älter als gedacht

01:53

Warum die Wärmepumpe keine Lobby hat

02:40

Politik oder Technik?

Einordnung GEG, Stand April 2026

06:35

Wirkungsgrad: 100 Prozent gegen 300 bis 500

Der Kernvergleich

07:35

Was Eigentümer tatsächlich sparen

08:39

Blockheizkraftwerke als Alternative

09:30

Was Kapitalanleger rechnen müssen

Energieklasse und Finanzierung

10:56

44 Einheiten, 40 Eigentümer

Sanierung in der WEG

13:10

Vorlauftemperatur: der eigentliche Unterschied

14:18

Welche Heizkörper zum Problem werden

Baujahr 1995 bis 2005

15:10

Heizlast und Heizleistung

Wie geprüft wird

16:44

Was bei Unterdeckung passiert

17:49

Der größte Nachteil

18:10

Von der Gasetagenheizung zur Zentrale

Alte Schächte nutzen

20:10

Erdbohrung: Verfahren und Förderung

50 Euro je Bohrmeter in NRW

21:46

Wann eine Wärmepumpe keinen Sinn ergibt

23:07

Eine Kirche als Beispiel

23:50

Wie schnell sich das amortisiert

Das Wichtigste aus der Folge

Sieben Punkte für Eigentümer und Käufer

Wenn Sie keine Zeit für die ganze Folge haben — das sind die Aussagen, auf die es ankommt.

Eine Gasheizung erreicht im besten Fall 100 Prozent Wirkungsgrad. Eine Wärmepumpe liegt bei 300 bis 500 Prozent, weil sie Umweltwärme nutzt statt zu verbrennen. Das Haus verbraucht dadurch nicht weniger Energie — es muss nur deutlich weniger eingesetzt werden.

06:47 · Dr. Susanne Hendel, beratende Ingenieurin

Auch ohne eigene PV-Anlage und bei doppeltem Strompreis gegenüber Gas bleiben 25 bis 40 Prozent Kostenersparnis pro Monat — abgefragte Werte bei Kunden, keine Modellrechnung.

07:48 · Dr. Susanne Hendel, beratende Ingenieurin

Eine Wärmepumpe fährt maximal 55 Grad Vorlauftemperatur, eine Gasheizung 60 bis 65 Grad. Das ist der eigentliche technische Unterschied — und der Grund, warum die vorhandenen Heizkörper geprüft werden müssen.

13:36 · Dr. Susanne Hendel, beratende Ingenieurin

Alte Gussheizkörper und Stahlradiatoren aus den 60ern und 70ern sind meist unproblematisch. Auffällig sind Heizkörper, die zwischen 1995 und 2005 getauscht wurden — dort reicht die Leistung häufiger nicht.

14:18 · Dr. Susanne Hendel, beratende Ingenieurin

Rund 10 Prozent Unterdeckung fallen in der Praxis nicht auf. Ein pauschaler Tausch aller Heizkörper ist deshalb selten nötig — entscheidend ist die raumweise Heizlastberechnung.

16:31 · Dr. Susanne Hendel, beratende Ingenieurin

NRW bezuschusst Erdbohrungen für Sole-Wärmepumpen mit 50 Euro je Bohrmeter. Dadurch waren zuletzt Projekte mit Erdbohrung nur unwesentlich teurer, teilweise sogar günstiger — bei höherer Effizienz und ohne Außenventilator.

21:07 · Dr. Susanne Hendel, beratende Ingenieurin

Als Faustzahl sollte sich eine Wärmepumpe innerhalb von zehn Jahren amortisieren. Dauert es länger, stimmt etwas an der Nutzung nicht.

24:29 · Dr. Susanne Hendel, beratende Ingenieurin

Einordnung

Zum Stand der Gesetzgebung

Dieses Gespräch wurde im April 2026 aufgezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt lag zum geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz lediglich ein Eckpunktepapier vor. Die Einschätzungen zum weiteren Verlauf des Verfahrens geben den damaligen Kenntnisstand wieder und sind seither überholt oder bestätigt worden — bitte prüfen Sie den aktuellen Stand, bevor Sie Entscheidungen darauf stützen. Unberührt davon bleiben die technischen Aussagen zu Wirkungsgraden, Vorlauftemperaturen und Heizlastberechnung.

Aus der Praxis

Warum diese Folge für Verkäufer wichtig ist

Bei fast jeder Besichtigung eines Hauses aus den 60er oder 70er Jahren kommt dieselbe Frage: Was kostet mich die Heizung? Käufer rechnen inzwischen mit spitzem Bleistift, und Banken schauen auf die Energieklasse. Ein Gebäude in Klasse G oder H verkauft sich nicht schlechter, weil es alt ist — sondern weil niemand weiß, was danach kommt.

Was Susanne Hendel in dieser Folge beschreibt, ist deshalb auch eine Verkaufsfrage: Wer vor dem Verkauf eine raumweise Heizlastberechnung machen lässt, kann Interessenten eine belastbare Zahl nennen statt einer Vermutung. Beraten darf ich dazu nicht, das ist ihre Aufgabe. Aber ich sehe im Verkauf sehr deutlich, welchen Unterschied es macht, ob jemand diese Zahl hat oder nicht.

Ihre Immobilie

Alte Heizung, offene Fragen?

Wenn Sie verkaufen wollen und nicht wissen, wie die Heizungsfrage Ihren Preis beeinflusst: Ich sage Ihnen, was Käufer im Bergischen Land aktuell erwarten — und vermittle Sie für die technische Seite an Fachleute wie Susanne Hendel.

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Passend zu dieser Folge

Wörtliche Fassung

Redigierte Fassung des Gesprächs vom April 2026: gekürzt, sprachlich geglättet und in Abschnitte gegliedert. Inhaltlich unverändert. Angaben zum Gesetzgebungsverfahren geben den Stand der Aufnahme wieder — siehe Einordnung oberhalb.

Transkript anzeigen

Funktioniert eine Wärmepumpe im Alltag?

Sascha Oertel 00:00

Heute zu Gast bei Problem Immobilien: Dr. Susanne Hendel, beratende Ingenieurin. Schön, dass du da bist. Worum geht es heute?

Gast 00:10

Danke für die Einladung. Wir fangen an mit der Frage, ob es eine Sanierungspflicht gibt — also was Eigentümer wissen müssen, wenn sie ein Haus besitzen, erben oder kaufen wollen.

Sascha Oertel 00:28

Fangen wir beim Dauerthema an: Ich höre immer wieder, die Wärmepumpe funktioniere im Alltag nicht. Stimmt das?

Gast 00:33

So kann man das nicht sagen. Eine Wärmepumpe funktioniert wie jede andere Heizung dann, wenn sie richtig ausgelegt und dimensioniert ist. Es gibt sie in allen Größenordnungen, die man sich vorstellen kann, und durch die Förderung der letzten Jahre ist die Marktverfügbarkeit deutlich gestiegen.

Erfunden 1855

Gast 01:05

Die Wärmepumpe ist eine sehr alte Technologie. Erfunden wurde sie 1855. Das erste Gebäude, das damit beheizt wurde, war 1935 das Rathaus in Zürich.

Danach kam sie jahrzehntelang vor allem in der Industrie zum Einsatz, im größeren Leistungsspektrum. Erst später wurde sie wieder heruntergeskaliert für Wohngebäude — die meisten vermuten, es gebe sie erst seit den 2000er Jahren. In Wuppertal gab es 2010 das erste Pilotprojekt in einem Gründerzeithaus, das haben wir mit der Universität Wuppertal forschungsmäßig begleitet.

Gast 01:53

Das eigentliche Problem war: Die Technologie hatte keine Lobby. Gas und Öl zu verkaufen bringt denjenigen, die es verkaufen, kontinuierliche Einnahmen. Bei einer Wärmepumpe, die mit Strom läuft, ist das nicht so — erst recht nicht, wenn jemand den Strom über eine eigene Photovoltaikanlage selbst produziert.

Politik oder Technik?

Sascha Oertel 02:40

Ist das, was gerade diskutiert wird, eher Politik oder wirklich Technik? Wir sind im April 2026 — was gilt denn aktuell, für Einfamilienhäuser wie für Mehrfamilienhäuser?

Gast 02:55

Ein komplexes Thema, das gerade sehr viel Populismus anzieht. Im Wahlkampf war immer vom Heizungsgesetz die Rede — gemeint ist das Gebäudeenergiegesetz. Und das umfasst weit mehr als die Heizung: Es unterscheidet zwischen Neubau und Sanierung, zwischen Wohn- und Nichtwohngebäuden, und es beschreibt ziemlich konkret, was ein Gebäude können muss — von der Gebäudehülle über die Ausstattung bis zur Heizungstechnik.

Das Gesetz geht zurück auf die erste Wärmeschutzverordnung von 1977 und wurde seitdem fortlaufend weiterentwickelt. Was 2024 dazukam, war gar kein so großer Schritt gegenüber dem, was vorher galt — aber ein gefundenes Fressen für den Wahlkampf. Im Kern sagt es: Wer neu baut oder in sehr großem Umfang saniert, muss 65 Prozent der zugeführten Wärme aus erneuerbaren Energien gewinnen. Das läuft indirekt auf Technologien wie die Wärmepumpe hinaus, weil man das mit Wärmepumpe und selbst erzeugtem PV-Strom rechnerisch hinbekommt. Mit Gas oder Öl geht das nicht — die kann ich nicht selbst anbauen.

Gast 04:35

Jetzt soll das Gesetz geändert werden. Bislang gibt es dazu nur ein Eckpunktepapier, keinen Gesetzentwurf. Darin heißt es, es solle ein Gebäudemodernisierungsgesetz werden, und der Zwang zur Wärmepumpe werde abgeschafft — den es so nie gab, es gibt ja nur die 65-Prozent-Vorgabe.

Wegfallen kann das aber ohnehin nicht einfach, denn das Gesetz ist die nationale Umsetzung zweier EU-Richtlinien, an die wir gebunden sind. Bei Nichtumsetzung drohen dem Staat erhebliche Strafzahlungen. Und diese Richtlinien geben einen so strikten Rahmen vor, dass ihn das GEG jetzt schon nicht vollständig einhält. Wenn man das Gesetz ändert, müsste man es streng genommen verschärfen.

Sascha Oertel 05:45

Viele haben den Eindruck, ihnen werde die Wärmepumpe aufgezwungen. Wie siehst du das?

Gast 05:55

Aufgezwungen von der Politik nicht — es ergibt technisch Sinn. Die Wärmepumpe ist derzeit die marktgängigste Technologie. Öl- und Gasheizungen sind Auslaufmodelle. Vom Klimaabkommen über die EU-Richtlinien bis zur Gesetzgebung ist klar definiert, dass CO₂ eingespart werden soll.

Wirkungsgrad: 100 Prozent gegen 300 bis 500

Gast 06:35

Schauen wir auf den Hausbesitzer. Eine Gasheizung hat im besten Fall einen Wirkungsgrad von 100 Prozent: Ein Teil Gas rein, ein Teil Wärme raus.

Eine Wärmepumpe erzeugt Wärme nicht durch Verbrennung, sondern nutzt Umweltwärme und hebt sie an. Ihr Wirkungsgrad liegt bei 300 bis 500 Prozent. Im schlechtesten Fall: ein Teil Strom rein, drei Teile Wärme raus. Bei einer Erdwärmepumpe im besten Fall ein Teil Strom, fünf Teile Wärme.

Das Haus muss also gar nicht weniger Energie verbrauchen — die Anlagentechnik ist so viel effizienter, dass man deutlich weniger einsetzen muss für denselben Effekt. Das ist das stärkste Argument für die Wärmepumpe.

Was Eigentümer tatsächlich sparen

Gast 07:15

Sie hat einen höheren Anfangsinvest, wird aktuell aber noch massiv gefördert. Mit Förderung liegen die Investitionskosten zwar über einer neuen Gasheizung, aber nicht dramatisch darüber.

Und selbst ohne PV-Anlage, wenn also der gesamte Strom eingekauft wird und doppelt so viel kostet wie Gas, bleiben zwischen 25 und 40 Prozent Einsparung. Das sind keine theoretischen Rechenwerte, sondern abgefragte Werte von Kunden, die eine Wärmepumpe eingebaut haben — 15, 25, 40 Prozent weniger Kosten, jeden Monat. Das amortisiert sich relativ schnell.

Was Kapitalanleger rechnen müssen

Sascha Oertel 09:30

Für Anleger ist das ein zentraler Punkt. Wer ein Mehrfamilienhaus aus den 70er Jahren kauft, hat im schlechtesten Fall noch Nachtspeicheröfen drin oder eine Öl- beziehungsweise Gasheizung, zentral oder als Gasetage. Die Banken schauen auf die Energieklasse — A bis H. Wer bei H landet, hat einen erheblichen Investitionsbedarf. Also: Was baue ich ein, wie komme ich im Energiestandard nach oben, bekomme ich die Pumpe überhaupt eingebaut, geht eine PV-Anlage dazu?

Das höre ich beim Verkauf ständig. Beraten darf ich dazu nicht — dafür schicke ich die Leute zu dir.

44 Einheiten, 40 Eigentümer

Gast 10:56

Ich betreue gerade eine WEG mit 44 Einheiten und fast 40 Eigentümern. Fenster, Fassade, Dach und Heizung sind Gemeinschaftseigentum — bei jeder Sanierung müssen sich also alle einigen. Und bei 40 Eigentümern gibt es 40 Meinungen.

Vieles wiederholt sich in solchen Runden. Das Heizungsgesetz werde ja gekippt, daran müsse man sich nicht mehr halten — das kommt regelmäßig. Und dann die Frage, was eine Maßnahme überhaupt bringt.

Ein wichtiger Unterschied: In dieser WEG wohnen die Eigentümer selbst. Selbstnutzer denken anders über Sanierung nach als jemand mit einem Anlageobjekt, der überlegt, was er sanieren muss, damit der Wert erhalten bleibt. Zwei verschiedene Herangehensweisen.

Gast 12:15

Bei einem 70er-Jahre-Gebäude zur Selbstnutzung gilt: Wenn ich ohnehin an die Substanz gehe — Nachtspeicheröfen raus, Innenausbau — dann ist die Elektrik in dem Haus auch schon 50 Jahre alt. Wenn ich die Böden aufnehme, kann ich die Elektrik neu aufbauen, die Heizung neu aufbauen und überlegen, wie ich die Heizflächen verteile.

Durch diese ohnehin notwendigen Arbeiten wird die Entscheidung zwischen Gasheizung und Wärmepumpe fast nebensächlich. Für die Gasheizung gibt es keine Förderung, für die Wärmepumpe schon. Dann geht die Rechnung aufs Gleiche hinaus, weil ich die Umfeldmaßnahmen für das neue Heizsystem ohnehin habe.

Vorlauftemperatur: der eigentliche Unterschied

Sascha Oertel 13:05

Was ist denn technisch der große Unterschied zwischen Gasheizung und Wärmepumpe?

Gast 13:14

Die Vorlauftemperatur. Eine Gasheizung kann Heizkörper mit deutlich höheren Temperaturen anfahren — 60, 65 Grad sind kein Problem. Je höher die Vorlauftemperatur, desto mehr Leistung bringt ein Heizkörper und desto schneller ist der Raum warm.

Bei einer Wärmepumpe ist bei 55 Grad Schluss. Theoretisch gehen bis zu 75 Grad, das ist aber nicht praxistauglich. Wenn ich also nichts weiter sanieren würde — Gas raus, Wärmepumpe rein — habe ich weniger Vorlauftemperatur.

Welche Heizkörper zum Problem werden

Gast 13:55

Das muss aber kein Problem sein. Erfahrungsgemäß sind selbst die alten Gussheizkörper aus Gründerzeithäusern unproblematisch, ebenso die Stahlradiatoren aus den 60ern und 70ern. Auch die Kompaktheizkörper aus den 80ern und 90ern mit der gerippten Optik sind in der Regel kein Thema.

Eine merkwürdige Beobachtung aus der Praxis: Bei Heizkörpern, die zwischen 1995 und 2005 getauscht wurden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Leistung nicht reicht. Woher das genau kommt, weiß ich nicht — es ist eine reine Praxisbeobachtung. Alle anderen, davor und danach, sind meist ohnehin so überdimensioniert, dass die geringere Vorlauftemperatur keinen spürbaren Unterschied macht.

Heizlast und Heizleistung

Gast 15:10

Bei einer Wärmepumpe fangen wir immer mit einer raumweisen Heizlastberechnung an. Wir schauen: Welche Qualität muss der Raum haben? Das lässt sich nach DIN rechnen — oder, wenn jemand selbst dort wohnt, danach auslegen, was er in dem Raum tun möchte. Ein Yogaraum mit 26 Grad ist etwas anderes als ein Sportraum mit 18 Grad. Die Normwerte liegen bei 20 Grad im Wohnraum, 16 Grad im Flur, 23 Grad im Bad.

Dann rechnet man, wie viel Wärme in den Raum muss, damit er die Temperatur hält. Jeder Raum verliert Wärme — über Bodenflächen gegen den Keller, Außenwände, Fenster, Lüftung. Was die Heizung leisten muss, um das auszugleichen, ist die Heizlast.

Im zweiten Schritt berechnet man die Heizleistung der vorhandenen Heizkörper: Was bringt dieser Heizkörper in dieser Größe bei dieser Vorlauftemperatur tatsächlich in den Raum? Dann vergleicht man beides. Passt es zusammen, ist alles gut.

Was bei Unterdeckung passiert

Gast 16:31

Gibt es eine Unterdeckung, schaut man genauer hin. Etwa 10 Prozent Unterdeckung fallen in der Praxis erst einmal nicht auf. Wir würden das unter Vorbehalt so stehen lassen, statt pauschal alle Heizkörper zu tauschen.

Sascha Oertel 16:44

Und wenn die Unterdeckung größer ist — wie bekommst du die weg?

Gast 16:51

Über einen Heizkörpertausch. Welche Bauform, entscheidet der Raum. Einen neuen Gussradiator wie im Altbau wird man im Einkauf kaum finden — es läuft also auf Plan- oder Kompaktheizkörper hinaus, im Bad auf einen Badheizkörper als Handtuchhalter. Dann prüft man, ob das passt.

In den allerseltensten Fällen findet man gar keinen, der passt. Das ist dann wirklich der komplett unsanierte Altbau mit fast einfach verglasten Fenstern — da wird es vom Platz her grenzwertig.

Der größte Nachteil

Sascha Oertel 17:49

Was ist der größte Nachteil einer Wärmepumpe?

Gast 17:55

Sie läuft mit Strom und hat eine reduzierte Vorlauftemperatur. Das sind aber keine Nachteile im eigentlichen Sinn — sie ist einfach wesentlich effizienter.

Von der Gasetagenheizung zur Zentrale

Sascha Oertel 18:10

Nehmen wir ein Mehrfamilienhaus mit fünf Gasetagenheizungen, die jeweils Warmwasser und Heizung machen. Ich will die alle weghaben und eine zentrale Einheit einbauen. Wie geht man da vor?

Gast 18:50

Auch das ist kein Problem. Bei der Gasetagenheizung sitzt das Gerät auf der Etage und verteilt von dort in Warmwasser und Heizflächen. Wenn ich es entferne, bleibt der Schacht, über den die Gasleitung nach oben kam. Und weil die Gasheizung in der Nähe eines Schornsteinschachts sitzt, ist noch ein zweiter Schacht da, der dann frei wird.

Ich habe also die Wege, um zentral zu verteilen: Statt Unterverteilung auf jeder Etage steht die Zentrale im Keller, wird nach oben geführt und von dort verteilt.

Erdbohrung: Verfahren und Förderung

Gast 20:05

Der eigentliche Punkt bei einer Wärmepumpe im Bestand ist die Frage, woher die Wärme kommt. Es gibt zwei Optionen. Entweder eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die die Außenluft nutzt — dann muss die Außeneinheit mit dem Ventilator irgendwo stehen. Oder eine Sole-Wärmepumpe, dann braucht es eine Bohrung.

Der Ablauf: Man fragt bei einem Hersteller an, der kommuniziert mit einem Bohrunternehmen, das gibt es an die Bergbaubehörde NRW weiter. Von dort kommt ein Katasterplan des Untergrunds zurück, mit der Aussage, wie tief an diesem Standort gebohrt werden darf und muss — abhängig von der Heizlast. Man bekommt also einen konkreten Vorschlag und die Auskunft, ob es überhaupt geht. Das anzufragen lohnt sich in jedem Fall.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es eine zusätzliche Landesförderung in NRW, die Erdbohrungen mit 50 Euro je Bohrmeter bezuschusst. Die Projekte, die ich zuletzt hatte, waren mit Erdbohrung dadurch nur unwesentlich teurer, teilweise sogar günstiger.

Der Vorteil ist erheblich: Sole-Wärmepumpen sind effizienter und erreichen tatsächlich den Wirkungsgrad von 5, weil die Wärme aus der Tiefe das ganze Jahr gleichmäßig zur Verfügung steht. Und man hat keinen Außenventilator — ist die Bohrung fertig, bleibt nur eine Schachtabdeckung.

Wann eine Wärmepumpe keinen Sinn ergibt

Sascha Oertel 21:46

Wann ergibt eine Wärmepumpe überhaupt keinen Sinn?

Gast 21:52

Beim unsanierten Altbau. Ich hatte in der vergangenen Woche ein Projekt: ein Gebäude von etwa 1900 mit erheblichem Sanierungsstau, wo auch nicht vorgesehen war, weiter zu sanieren. Sehr hohe Wärmeverluste über Wände und Fenster, dazu Mieteinheiten — man muss also sicherstellen, dass 20 Grad in den Räumen erreicht werden. Die Heizkörper waren Mitte der 90er getauscht worden, und es hätten über 90 Prozent davon ersetzt werden müssen. Da war der Aufwand nicht mehr sinnvoll.

Das war kein Denkmalobjekt, es lag allein an der Nutzungsstruktur. Und solche Fälle sind wirklich selten.

Eine Kirche als Beispiel

Gast 23:00

Pauschal abraten kann man nicht. Die Wärmepumpe rechnet sich wirtschaftlich im Betrieb — selbst bei sehr schwierigen, großen Objekten.

Letztes Jahr habe ich eine Kirche mitbetreut. Kirche, Gemeindehaus und Kindergarten bekommen jetzt statt drei einzelner Gasheizungen eine große Wärmepumpe. Der Erstinvest war hoch, vor allem wegen der Erdarbeiten, um die Gebäude überhaupt zu verbinden. In den laufenden Kosten amortisiert sich das aber so schnell, dass sie es umsetzen. Nicht schöngerechnet — sie sparen pragmatisch durchgerechnet 30 Prozent im Monat.

Wie schnell sich das amortisiert

Sascha Oertel 23:50

Gibt es eine Spanne für die Amortisation? Sieben bis zehn Jahre, zwanzig bis dreißig?

Gast 24:05

Das lässt sich schwer pauschal sagen — es hängt am Erstinvest, an der Umsetzbarkeit und daran, wie das Objekt genutzt und beheizt wird. Da stecken viele Unbekannte drin.

Aber als Orientierung: Länger als zehn Jahre sollte es nicht dauern. Sonst hat man in der Nutzung etwas falsch gemacht.