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In der warmen Hand schenken statt in der kalten Hand streiten

Thekla Limbach hat einen der ersten ambulanten Pflegedienste Wuppertals mit aufgebaut — und aus eigener Erfahrung gelernt, warum man Vorsorge, Erbe und die Immobilie früh regeln sollte, solange der Kopf klar ist.

Veröffentlicht am 13.05.2026 Von Sascha Oertel
thelkaundsacha
Episode 5 13.05.2026 22 Min.
Thekla Limbach ist gelernte Intensivkrankenschwester und hat mit ihrem Mann seit 1978 den Pflegedienst Limbach in Wuppertal-Heckinghausen aufgebaut — einen der ersten ambulanten Pflegedienste der Stadt. Im Gespräch erzählt sie von den Anfängen, von der langen Krankheit ihres Mannes, und davon, warum sie ihre geerbte Immobilie schon zu Lebzeiten an den Sohn übertragen hat.

Thekla Limbach

Intensivkrankenschwester, Mitgründerin, Pflegedienst Limbach GmbH

Website

Thekla Limbach ist gelernte Intensivkrankenschwester und hat gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen 1978 einen der ersten privaten ambulanten Pflegedienste Wuppertals gegründet. Aus den Anfängen im heimischen Wohnzimmer wurde ein etablierter Pflegedienst mit Sitz an der Heckinghauser Straße, den es inzwischen seit fast fünfzig Jahren gibt. Nach dem Tod ihres Mannes 2023 kehrte sie in den Betrieb zurück und begleitet heute das junge Führungsteam mit ihrer Erfahrung.

Kapitel

00:00

Wie alles anfing

Krankenschwester und ein Ideologe

01:40

Der erste ambulante Pflegedienst

1978, als es so etwas nicht gab

04:10

Das erste Ladenlokal

05:00

Was man als Gründerin lernen musste

06:30

Wie sich die Pflege verändert hat

08:30

Als der eigene Mann zum Pflegefall wurde

Persönliche Passage

10:40

Der Neuanfang 2023

Zurück ins Geschäft

11:10

Junge Leute, neue Wege

Personal über Social Media

14:50

Die eigene Immobilie

Verkauf und geerbtes Achtfamilienhaus

15:40

Schenkung zu Lebzeiten

Warum, und die Zehnjahresfrist

16:50

Warum sie weiter ins Büro geht

18:50

Was sie anderen rät

Früh regeln, den Tod nicht verdrängen

Zum Mitnehmen

Was diese Folge für Eigentümer bedeutet

Aus dem Gespräch lassen sich einige Dinge mitnehmen, die jeden betreffen, der eine Immobilie besitzt oder erben wird.

Vorsorge früh regeln, solange der Kopf klar ist: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und eine klare Regelung für den Nachlass. Wer wartet, bis es akut wird, trifft die Entscheidungen unter Belastung — oder gar nicht mehr selbst.

18:50 · Thekla Limbach

Eine Immobilie zu Lebzeiten zu übertragen, kann Erbschaftsteuer sparen — die Schenkung wird nach zehn Jahren nicht mehr zum Erbe hinzugerechnet. Ob und wie sich das im Einzelfall lohnt, gehört in die Hand einer Steuerberatung.

15:40 · Thekla Limbach

„In der warmen Hand schenken ist besser, als in der kalten Hand zu streiten." Wer zu Lebzeiten klar regelt, erspart den Erben den Streit — und sich selbst die Gewissheit, dass hinterher nichts offen bleibt.

16:19 · Thekla Limbach

Einordnung

Zu den steuerlichen Aussagen

Im Gespräch geht es um die Übertragung einer Immobilie zu Lebzeiten und die Zehnjahresfrist. Das ist vereinfacht dargestellt: Bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer werden Zuwendungen innerhalb von zehn Jahren zusammengerechnet, und je nach Gestaltung — etwa mit vorbehaltenem Nießbrauch — gelten weitere Regeln. Ob eine Schenkung im Einzelfall sinnvoll ist und wie sie ausgestaltet werden sollte, hängt von Wert, Verwandtschaftsgrad, Freibeträgen und der persönlichen Situation ab.

Das ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Wer über eine Übertragung nachdenkt, sollte das mit einer Steuerberaterin oder einem Notar durchrechnen — die Beträge sind zu groß für eine Faustregel.

Aus der Praxis

Warum dieses Gespräch zu meiner Arbeit gehört

Ein großer Teil der Immobilien, die bei mir auf dem Tisch landen, kommt aus genau solchen Situationen: Jemand wird pflegebedürftig, jemand stirbt, und plötzlich muss eine Familie entscheiden, was mit dem Haus geschieht. Am ruhigsten läuft das immer dann, wenn vorher geregelt wurde, wer was bekommt.

Thekla Limbach hat aus zwei Richtungen erlebt, worüber die meisten nicht sprechen wollen — als Pflegekraft und als Angehörige. Ihr Satz von der warmen und der kalten Hand fasst zusammen, was ich in Erbengemeinschaften immer wieder sehe: Der Streit entsteht selten aus bösem Willen, sondern daraus, dass niemand rechtzeitig geregelt hat, was eigentlich gewollt war.

Ihre Situation

Eine Immobilie im Familienbesitz, offene Fragen zur Zukunft?

Wenn Sie überlegen, wie es mit einer Immobilie weitergehen soll — verkaufen, übertragen, in der Familie halten — sage ich Ihnen, was sie wert ist und welche Wege es gibt. Für Steuer und Recht binde ich die richtigen Fachleute ein. Ein erstes Gespräch kostet nichts.

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Wörtliche Fassung

Redigierte Fassung des Gesprächs: gekürzt, sprachlich geglättet und in Abschnitte gegliedert. Inhaltlich unverändert.

Transkript anzeigen

Wie alles anfing

Sascha Oertel 00:00

Heute im Podcast Problem Immobilien: Thekla Limbach. Sie hat den Pflegedienst Limbach in Heckinghausen mit aufgebaut. Schön, dass du da bist. Thekla, wie bist du zur Pflege gekommen?

Gast 00:17

Ich bin Intensivkrankenschwester. Ich war in der zweiten Ausbildung, als ich meinen Mann kennenlernte. Er war Beamter, wollte da raus und hat die Krankenpflegeschule besucht. Schon in der Ausbildung hatte er vor, sich selbstständig zu machen — mit einem privaten ambulanten Pflegedienst, den es damals noch nicht gab.

Seine Idee war, dass Patienten auch zu Hause versorgt werden können und nicht im Krankenhaus bleiben müssen. Zum 1. April 1978 hat er sein Examen gemacht und sich am selben Tag selbstständig. Ich bin weiter im Krankenhaus geblieben, weil er noch am Anfang stand. Dann ist das gewachsen, und 2002 haben wir eine GmbH gegründet.

Der erste ambulante Pflegedienst

Sascha Oertel 01:33

1978 — gab es damals überhaupt schon mobile Pflege?

Gast 01:40

Nein. Es gab nur Caritas und Diakonie, die ihre Gemeindeschwestern schickten. Einen privaten ambulanten Pflegedienst gab es nicht.

Wir sind immer wieder zur Krankenkasse gefahren, mein Mann hat über Preise verhandelt — damals gab es noch keine Verträge, sondern Einzelverhandlungen. Das zweite Wort, das unser Sohn sprechen konnte, war „AOK", so oft waren wir dort.

Mein Mann hat selbst Flyer gemacht und im Umkreis verteilt, ist zu den Hausärzten gegangen — die waren die Verteiler. Anfangs waren die zurückhaltend, dann haben sie es ausprobiert, und mit der Zeit wurden es immer mehr. Später ist er in die Krankenhäuser gegangen, hat mit dem Sozialdienst gesprochen. So sind wir gewachsen. Viele kannten uns, weil wir die Einzigen waren.

Das erste Ladenlokal

Gast 04:00

Wir hatten immer mehr Angestellte, haben oft die Büros gewechselt. Damals hatten Pflegedienste kein Ladenlokal — das spielte sich zu Hause ab, bei uns im Wohnzimmer.

1994 waren wir der zweite Pflegedienst in Wuppertal mit einem eigenen Ladenlokal, dort an der Heckinghauser Straße, wo wir heute noch sind. Vorher hatten wir ein Büro in einer Eigentumswohnung.

Was man als Gründerin lernen musste

Sascha Oertel 04:44

Das ist eine lange Zeit. Was war für dich das Prägendste?

Gast 05:00

Es war vieles. Auf einmal muss man lernen, mit Angestellten umzugehen — das hat man nie gelernt, und anfangs ist viel schiefgegangen. Man musste sich organisieren, die Arbeit wurde mehr. Ich bin ja eigentlich nur Krankenschwester, kein Betriebswirt — auch das musste ich lernen, mit Fortbildungen.

Man hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt, weil neue Bestimmungen kamen und man merkte: Ich muss mich weiterentwickeln.

Gast 06:30

Früher hat mein Mann als Einziger gepflegt und sich viel Zeit genommen, weil er sie hatte. Mit Angestellten kam die Betriebswirtschaft dazu: Anfangs haben wir keine Zeiten vorgegeben, dann kamen mehr Patienten, und wir mussten Zeiten vergeben, damit die Löhne stimmen. Das waren oft schwierige Momente, weil die Mitarbeiter nicht so wollten, wie wir mussten.

Mein Mann war ein Ideologe, hat immer weit vorausgedacht. Wir hatten 1991 schon einen PC im Büro, als es das kaum gab. Er hat sich früh ums Internet gekümmert. Die Leute im Büro sagten, das brauche man nicht, alte Menschen könnten damit nicht umgehen. Er sagte: Doch. Irgendwann kümmern sich die Kinder darum und suchen uns im Internet. So hat er das Geschäft in gutes Fahrwasser gebracht, weil er nie stehengeblieben ist.

Als der eigene Mann zum Pflegefall wurde

Sascha Oertel 08:00

Dein Mann ist selbst schwer krank geworden. Magst du davon erzählen — nur, was du erzählen möchtest?

Gast 08:30

Ja, gerne. Mein Mann hatte Multiple Sklerose, schon mit 36 Jahren. Etwa ab 2010 wurde er mehr und mehr pflegebedürftig und saß im Rollstuhl. Wir haben im Büro Rampen bauen lassen, damit ich ihn hineinfahren konnte, und ein Auto angeschafft, aus dem ich ihn mit dem Sitz herausfahren konnte.

Für ihn war das wichtig. Üblich ist ja, dass ein MS-Kranker zu Hause bleibt, während die Frau arbeiten geht — den ganzen Tag allein. Weil wir selbstständig waren, konnte er mit ins Büro und weiter denken. Sein Kopf hat funktioniert.

2013 haben wir eine Sekretärin eingestellt, Frau Öztürk, die heute noch bei uns ist, weil er mit den Händen nicht mehr richtig tippen konnte. Sie hat alles mit ihm zusammen gemacht. 2015 hat er Viktoria eingestellt, als Qualitätsbeauftragte, und damals schon zu mir gesagt: Frau Schimpf kann einmal Geschäftsführerin werden, die hat das Zeug dazu.

Gast 10:09

Er wurde immer kränker und konnte immer weniger. Ich musste mehr übernehmen. 2019 sind wir aus dem operativen Geschäft ausgeschieden, weil ich den Transport nicht mehr geschafft habe. 2023, im März, ist mein Mann gestorben.

Das Positive in all dem: Für heute Abend einen Pflegedienst zu bekommen, ist schwierig. Ich musste in unserer Firma nur Bescheid sagen und bekam Hilfe, wenn ich sie brauchte.

Der Neuanfang 2023

Gast 10:40

Nach dem Tod meines Mannes habe ich mit Viktoria gesprochen und gesagt, ich würde gerne wieder arbeiten kommen. Im Juni 2023 bin ich zurück ins Geschäft, musste mich wieder anlernen lassen, weil sich viel verändert hatte. Ich bin gleich in die Abrechnung gegangen — die erste war miserabel, lauter rote Haken. Aber irgendwann war ich drin und konnte Viktoria entlasten, die sich sonst eine ganze Woche dafür eingeschlossen hätte.

Junge Leute, neue Wege

Gast 11:10

Dann kam eine ganz andere Entwicklung. Viktoria hatte jemanden kennengelernt, und wir haben uns auf Facebook und Instagram dargestellt. So haben wir junge Leute erreicht, die bei uns arbeiten wollten. Viele Pflegedienste bekommen kein Personal — wir haben viel bekommen, und darunter sehr gutes.

Heute stehen wir ganz anders da. Bei uns hat jeder seine eigene Aufgabe, nicht jeder macht alles. Und wenn es brennt, halten alle zusammen und fragen: Was kannst du übernehmen? So läuft die Arbeit immer weiter, weil alle an einem Strang ziehen.

Die eigene Immobilie

Sascha Oertel 14:50

Hast du selbst Immobilien im Bestand?

Gast 14:55

Ich habe vorgestern eine private Immobilie verkauft, ein Haus in Wiesbaden, das auf meinen Namen lief. Jetzt lebe ich in einem Achtfamilienhaus, das über die Schwiegergroßeltern und die Schwiegereltern an meinen Mann kam. Nach seinem Tod bin ich die Besitzerin, und ich wohne selbst in diesem Haus. Ich habe es aber bereits an meinen Sohn verschenkt.

Schenkung zu Lebzeiten

Sascha Oertel 15:20

Du hast es geerbt und schon zu Lebzeiten an deinen Sohn übertragen. Warum?

Gast 15:40

Wegen der Erbschaftsteuer für meinen Sohn. Zu Lebzeiten kann man die sparen, wenn man den Zeitraum von zehn Jahren durchhält. Zehn Jahre muss ich noch leben — das schaffe ich.

Sascha Oertel 16:19

Das wissen viele leider nicht. Ich sage immer: In der warmen Hand zu schenken ist besser, als in der kalten Hand zu streiten. Und wer aus der Pflege kommt, weiß, was alles auf einen zukommen kann — und dass es beruhigend ist, wenn hinterher kein Streit entsteht, weil alles geregelt ist.

Warum sie weiter ins Büro geht

Sascha Oertel 16:50

Du bist in einem Alter, in dem viele nur noch zur Ruhe kommen wollen. Du gehst weiter ins Büro und lässt dir Neues zeigen. Das hält jung.

Gast 17:10

Als mein Mann gestorben ist, brauchte ich ein Gerüst. Viele verstehen nicht, dass ich arbeiten gehe, aber für mich war das die beste Entscheidung. Ich arbeite nicht viel — die Abrechnung dauert einen Tag, ansonsten gehe ich zweimal die Woche, wenn etwas anfällt.

Ich tippe noch mit zwei Fingern, die jungen Leute blind und schnell. Sie haben uns sofort in die Digitalisierung gebracht. Ich kann fünfmal fragen, bis ich etwas verstanden habe — und lerne so viel dazu. Ich finde es spannend, mit Veränderungen umzugehen und junge Leute um mich zu haben. Wir bleiben nie stehen, wir gucken immer nach vorne. Ich blockiere nicht, ich lasse zu.

Was sie anderen rät

Sascha Oertel 18:40

Was kannst du Menschen mitgeben, die vor dem Thema Pflege stehen?

Gast 18:50

Sie sollen ganz früh anfangen, alles zu regeln. Wir haben schon zu Beginn der Selbstständigkeit beim Notar eine Patientenverfügung gemacht — dass mein Mann nicht beatmet werden möchte. Eine Vorsorgevollmacht haben wir vor vielen Jahren gemacht und auch das Berliner Testament: Wenn einer von uns stirbt, ist geregelt, wer was erbt.

Man sollte früh regeln, weil man nie weiß, wie lange der Kopf funktioniert. Ich kann früh krank werden, mein Partner kann früh sterben — dann stehe ich allein da und weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Man sollte den Tod nie verdrängen, sondern zulassen, dass man irgendwann stirbt, und die Dinge so regeln, dass alles geordnet ist. Denn im Ernstfall kommt noch genug dazu — die Trauer allein ist genug. Wenn dann alles geregelt ist, ist das eine große Erleichterung.

Sascha Oertel 21:10

Du kannst das aus deiner eigenen Geschichte sagen, weil du diese Situationen über Jahrzehnte jeden Tag gesehen hast. Vielen Dank, dass du so offen warst — das ist nicht selbstverständlich.

Gast 21:30

Es gehört doch alles zusammen. Viele haben Angst, über ihre Probleme zu reden — gerade in Erbengemeinschaften erlebe ich das. Aber wenn man offen darüber spricht, nimmt man dem Thema viel von seiner Schwere.