Miles Bäßler ist seit 19 Jahren als Rechtsanwalt tätig und seit 2011 Fachanwalt für Erbrecht. Er arbeitet ausschließlich im Erbrecht, mit Standorten in Mettmann, Krefeld und Essen. Sein Aufgabenfeld verteilt sich etwa hälftig auf Gestaltung — Testamente, Erbverträge, Unternehmensnachfolge — und auf die Begleitung von Erbfällen, wenn bereits jemand verstorben ist. Erbengemeinschaften vertritt er dabei nie als Ganzes, sondern immer einen einzelnen Miterben.
Kapitel
Wer ist Miles Bäßler
Vorstellung und Arbeitsweise
Warum Erbengemeinschaften eskalieren
Wie sich Konflikte lösen lassen
Was ein Erbstreit kostet
Beispielrechnung nach Gebührentabelle
Fünf bis sechs Jahre über zwei Instanzen
Wenn eine Immobilie im Spiel ist
Leerstand und Wertverfall
Ein Fall seit 2019
Düsseldorf, zwei Objekte
Was Erben im Vorfeld tun können
Testament und Erbvertrag
Der Fall aus Mettmann
14 Immobilien, eine Frage
Ehepartner außen vor lassen
Das Wichtigste aus der Folge
Sechs Punkte, die Sie sich merken sollten
Wenn Sie keine Zeit für die ganze Folge haben — das sind die Aussagen, auf die es ankommt.
Ein Erbstreit über zwei Instanzen kostet nach Gebührentabelle rund 48.000 Euro pro Beteiligtem. Wer verliert, trägt zusätzlich die Kosten der Gegenseite und die Gerichtskosten.
05:19 · Miles Bäßler, Fachanwalt für Erbrecht
Ein Verfahren über zwei Instanzen dauert fünf bis sechs Jahre. Bei älteren Beteiligten ist das eine eigene Größe in der Abwägung.
07:14 · Miles Bäßler, Fachanwalt für Erbrecht
Die Erbquote ist selten das eigentliche Problem. Was eskaliert, sind alte familiäre Konflikte, die sich am Nachlass entzünden.
01:40 · Miles Bäßler, Fachanwalt für Erbrecht
In einem Fall mit 14 geerbten Immobilien löste eine einzige Frage den Konflikt fast auf: Welche hättet ihr denn gerne? Bis auf ein Objekt waren sich die Geschwister einig — gefragt hatte es vorher nur niemand.
16:54 · Miles Bäßler, Fachanwalt für Erbrecht
Ehepartner sollten aus den Verhandlungen herausgehalten werden. Sie werden schnell zu Schattenberatern, und aus dem Erbstreit wird ein Stellvertreterkrieg.
18:32 · Miles Bäßler, Fachanwalt für Erbrecht
Zeit ist bei einer geerbten Immobilie kein neutraler Faktor. Steht sie leer und kümmert sich niemand, verliert sie an Substanz und Wert — der Streit kostet also doppelt.
09:38 · Sascha Oertel
Was in dieser Folge nicht besprochen wird
Miles Bäßler vertritt in einer Erbengemeinschaft nie die Gemeinschaft als Ganzes, sondern immer einen einzelnen Miterben — alles andere wäre standesrechtlich eine Interessenkollision. Die im Gespräch genannten Kosten sind eine Beispielrechnung für einen konkreten Streitwert und lassen sich nicht auf jeden Fall übertragen. Für Ihre eigene Situation braucht es den Blick in Ihre Unterlagen.
Warum ich diese Folge aufgenommen habe
Erbengemeinschaften begleiten mich seit 2018 durch fast jedes Jahr. Der Ablauf ähnelt sich: Drei Geschwister sitzen bei mir am Tisch, zwei wollen verkaufen, einer nicht. Man vertagt sich. Ein Jahr später steht dasselbe Haus wieder auf meinem Schreibtisch — nur ist inzwischen die Heizung ausgefallen, im Dachgeschoss zeigt sich Feuchtigkeit, und der Preis, über den man sich damals nicht einigen konnte, ist gar nicht mehr erreichbar.
Was Miles Bäßler in dieser Folge vorrechnet, deckt sich mit dem, was ich auf der Immobilienseite sehe: Der Streit kostet nicht nur Anwaltsgebühren. Er kostet Substanz. Und je länger niemand den Hut aufhat, desto teurer wird die Einigung, die am Ende ohnehin kommen muss.
Eine geerbte Immobilie, mehrere Meinungen?
Wenn Sie zu mehreren erben und nicht wissen, wie es weitergehen soll: Ein erstes Gespräch kostet nichts. Ich sage Ihnen, was die Immobilie realistisch wert ist und welche Wege es gibt — auch dann, wenn sich am Ende jemand anderes darum kümmert.
Passend zu dieser Folge
Wörtliche Fassung
Redigierte Fassung des Gesprächs: gekürzt, sprachlich geglättet und in Abschnitte gegliedert. Inhaltlich unverändert.
Transkript anzeigen
Ein Anwalt, der nur noch Erbrecht macht
Sascha Oertel 00:00
Heute geht es um Problemimmobilien, und zu Gast ist Miles Bäßler. Wenn es ums Erbe geht, ist Miles unser Ansprechpartner. Miles, schön, dass du da bist. Erzähl mal: Wer bist du, was machst du?
Gast 00:18
Vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Miles Bäßler, ich bin Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht. Ich bin jetzt 19 Jahre im Geschäft, seit 2011 Fachanwalt. Mittlerweile mache ich nichts anderes mehr als Erbrecht — bei einem Verkehrsunfall oder einer Scheidung bin ich der Falsche, bei einer Erbsache genau der Richtige.
Wir sind inzwischen fünf Anwälte für Erbrecht, mit Standorten in Mettmann, Krefeld und Essen. Also schon eine Boutique.
Unsere Arbeit hat zwei Seiten, etwa halbe-halbe. Die eine ist Gestaltung: Jemand kommt und sagt, ich möchte ein Testament, mein Sohn soll nicht erben, dafür meine Tochter — oder es geht um Unternehmensnachfolge, und da sind natürlich immer Immobilien drin. Die andere Seite ist der eingetretene Erbfall. Da kommen die Leute und sagen: Hier ist ein Testament, oder eben auch keins. Was machen wir jetzt? Der Bruder hat schon etwas beim Gericht angemeldet, alle wollen Geld von mir, und dann ist da noch die Erbschaftsteuer.
Warum es in Erbengemeinschaften so oft eskaliert
Sascha Oertel 01:28
Was ist das Krasseste, was du in der Zeit erlebt hast?
Gast 01:34
Verschiedene Fälle, aber die Struktur ähnelt sich immer. Meistens Geschwister — oder Ehefrau beziehungsweise Ehemann aus zweiter Ehe und Kinder aus erster Ehe, die sich bis aufs Blut hassen. Und wenn dann der leibliche Elternteil stirbt, gibt es richtig Krawall.
Das ist emotional oft sehr schwierig. Das rechtliche Problem ist es meistens gar nicht. Die Erbquote als solche ist häufig überhaupt nicht das Thema. Aber die Beteiligten machen sich im Alltag das Leben schwer, legen sich Steine in den Weg, überziehen sich mit Strafanzeigen und kosten sich damit richtig Geld.
Sascha Oertel 02:22
Der Tenor ist also: Sie hassen sich, und es geht um viel Geld. Wie löst man so etwas?
Gast 02:26
Am Ende bekommt man es immer gelöst. Am schönsten ist es, wenn man die Leute emotional wieder einfängt — sie müssen sich nicht um den Hals fallen, aber es sollte möglich sein, dass sie eine Stunde in einem Raum sitzen, ohne sich anzuschreien.
Der andere Weg ist der, den ich für den weniger schönen halte: Es geht vor Gericht, man kämpft, und es kostet alle sehr viel Geld. Am Schluss hat einer gewonnen und einer verloren, und der Verlierer hat sehr viel Geld weniger. Manchmal geht es leider nicht anders, aber ich mache es ungern. Ich versuche es über Vergleiche und Mediationsgespräche.
Das gelingt aber nicht immer, denn es setzt voraus, dass alle mitmachen wollen. Manchmal liegt es an den Beteiligten selbst, manchmal auch an den Anwälten, die einfach eine Klage rausschicken und nicht mehr miteinander reden. Am Ende bekommt man es gelöst — die Frage ist nur, wie viel Geld, wie viel Kraft und wie viele schlaflose Nächte es vorher kostet.
Was ein Erbstreit tatsächlich kostet
Sascha Oertel 05:01
Was rätst du Erbengemeinschaften in solchen Situationen? Was kannst du denen mit auf den Weg geben?
Gast 05:04
Ich stelle ihnen erst einmal ein paar Fragen und versuche, sie selbst darauf zu bringen. Ich sage: Überlegen Sie sich mal, wie Ihr Bruder das sehen würde. Oder Ihre Schwester. Wenn sie das schon nicht schaffen, wird es schwierig.
Ich muss dabei aufpassen — ich bin Parteivertreter und darf meinem Mandanten nichts aufschwatzen, was die Gegenseite gerne hätte. Manchmal hat die Gegenseite aber juristisch recht. Dann muss ich versuchen, meinen Mandanten zu überzeugen: Lass dich besser darauf ein, sonst wird es nur schmerzhafter und teurer.
Und ich rechne es ihnen manchmal ganz hart vor, mit Gebührentabellen. Wenn Sie klagen wollen und die Gegenseite nimmt sich auch einen Anwalt, und das geht durch zwei Instanzen — dann sind nach Tabelle rund 48.000 Euro pro Kopf weg. Und wenn Sie nicht gewinnen, zahlen Sie die 48.000 für die Gegenseite obendrauf, plus Gerichtskosten. Also überlegen Sie sich gut, ob Sie jetzt klagen.
Dazu kommt das Risiko. Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Ich hatte Fälle, bei denen ich dachte, das bringe ich nach Hause — und dann wäscht mir der Richter den Kopf. Und ich hatte Fälle, bei denen ich den Mandanten darauf vorbereitet habe, dass es nichts wird, und dann stimmt der Richter mir zu.
Man braucht außerdem sehr viel Munition im Sinne von Cash für die Prozesskosten. Wer die nicht hat, für den wird es schwierig.
Gast 07:14
Und es dauert. Ein Gerichtsprozess über zwei Instanzen zieht sich fünf, sechs Jahre. Ich sage den Leuten: Macht euch das klar. Wenn ihr selbst schon 78 seid — wollt ihr darüber ins Grab gehen?
Ich beschreibe ihnen auch vorab, wie sich das anfühlt. Nach einem Jahr kommt wieder Post vom Gericht, die Gegenseite hat wieder geschrieben, und irgendwann fragen sie: Muss ich das überhaupt lesen? Doch, besser schon.
Wenn es klappt und ihr lasst bei einer halben Million Erbschaft 20.000 Euro nach — ja, das ist viel Geld. Aber ihr spart euch Jahre Streit und wahrscheinlich ein Vielfaches an Kosten. Lasst es gut sein.
Und ich sage ihnen: Denkt mal darüber nach, ihr seid nur deshalb in der luxuriösen Lage, euch darüber streiten zu können, weil ihr zufällig der Sohn von der Erna und die Tochter vom Willi seid. Das Geld hatten eure Eltern. Ein bisschen Demut, ein bisschen langsam. Im Erbrecht ist ohnehin schon alles langsamer. Es ist selten eilig. Auf eine Woche kommt es nicht an — nehmt euch Zeit, schlaft eine Nacht darüber.
Wenn eine Immobilie im Spiel ist
Sascha Oertel 09:34
Ich habe ja auch Erbengemeinschaften beim Verkauf. Dann sitzen die bei mir am Tisch, und teilweise gelingt mir die Vermittlung, teilweise nicht. Dann gehen sie auseinander und verkaufen nicht. Ein Jahr später kommen sie wieder — und die Immobilie ist heruntergewirtschaftet, weil sie leer stand und sich niemand gekümmert hat. Keiner hatte den Hut auf.
Und dann ist es beim Verkauf ähnlich wie bei dir: Nach fünf, sechs, sieben Monaten sind die Beteiligten mürbe und sagen, hau den Kasten jetzt weg, unter Preis. Deswegen fangen wir gar nicht erst über dem Markt an. Wir starten im Markt, dann bekommen wir es verkauft, und dann können sie mit dem Geld auch arbeiten.
Was Erben im Vorfeld tun können
Sascha Oertel 15:01
Was rätst du Menschen, die in einer Erbengemeinschaft sind — was können die im Vorfeld tun?
Testament: der wichtigste Rat
Gast 15:14
Da gibt es zwei Konstellationen. Fangen wir mit der vorgelagerten an: Ich rate immer, ein Testament oder einen Erbvertrag zu machen und klar zu benennen, wer erben soll und wer nicht.
Denn viele Probleme entstehen schon davor. Bis das Nachlassgericht überhaupt ermittelt hat, wer Erbe ist und wo diese Menschen wohnen, vergeht Zeit. Besonders schlimm wird es, wenn jemand ins Ausland verzogen ist — das dauert ewig. Und währenddessen steht die Immobilie und verfällt.
Also: Wenn jemand Kinder hat, macht ein Testament. Bitte. Und wenn es nur zwei Sätze sind, ist das immer noch besser als nichts. Das muss auch nicht für viel Geld beim Notar sein. Selbst etwas aufzuschreiben ist die schlechtere Lösung, aber immer noch besser als gar keine. Und danach kann man in Ruhe gestalten — dann kommt man zu mir oder zum Notar, und wir reden über die Details: Was wollt ihr als Eltern überhaupt? Soll ein Kind bevorzugt werden, und warum?
Der Fall aus Mettmann
Gast 16:52
Ich habe einen größeren Fall in Mettmann. Da stehen 14 Immobilien im Raum, geerbt haben Sohn und Tochter. Und dann ging es hin und her, alte Querelen kochten hoch: Du warst schon immer der Zuckerjunge. Du hast damals ein Pferd bekommen und ich nicht.
Dann haben wir irgendwann gesagt — der beteiligte Notar, der Kollege und ich: Langsam. Wir haben hier diese Immobilien. Schreibt doch einfach mal auf, welche ihr gerne hättet. Und siehe da: Bis auf eine waren sie sich einig.
Vorher hatte das nur nie jemand gefragt. Sie hatten sich mit ganz anderen Dingen beschäftigt — und plötzlich war sehr viel Konfliktpotenzial weg.
Gast 18:23
Und wenn man bereits in einer Erbengemeinschaft ist: einfach mal überlegen, was man eigentlich selbst will. Und dann zuhören, was die anderen wollen. Das ist nämlich manchmal gar nicht so weit auseinander.
Was ich außerdem rate: Vergangenes ruhen lassen. Rechtlich gibt es Ausgleichungspflichten — wenn der Sohn einmal 50.000 Euro für ein Auto bekommen hat und die Tochter 100.000 für eine Eigentumswohnung, kann das anzurechnen sein. Das Recht spielt da also hinein. Aber wenn jemand bei der Konfirmation etwas mehr bekommen hat und das 40 Jahre her ist — lasst es gut sein. Nehmt Druck aus dem Kessel.
Und noch etwas: Lasst die Ehepartner außen vor. Ich erlebe häufig, dass jemand sagt, meine Frau hat aber gesagt, oder mein Mann will aber. Diese Schattenberater sind selten hilfreich. Wenn die Frau des einen mit dem Mann der anderen nicht klarkommt, wird daraus ein Stellvertreterkrieg. Das ist der Sache nicht förderlich.
Gast 19:22
Damit haben wir den Rahmen abgesteckt: welche Emotionen in einer Erbengemeinschaft hochkommen und welche Folgen das haben kann. In der nächsten Folge nehmen wir uns das Nachlassgericht vor und die Frage, was wem eigentlich zusteht. Danke, dass du da warst, Miles.